Martin Elsbroek
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Wortkunst


Wer ich bin

"... da lernete ich das schwarze Brot fingerdick mit Butter schmieren ..."

Das Paradeis fanden wir, wie wirs begehrten, und noch darüber statt der Engel schöne Jungfrauen darinnen, welche uns mit Speis und Trank also traktierten, daß ich in Kürze wieder einen glatten Balg bekam, denn da setzte es das fetteste Bier, die besten westfälischen Schinken und Knackwürst, wohlgeschmack und sehr delikat Rindfleisch, das man aus dem Salzwasser kochte und kalt zu essen pflegte; da lernete ich das schwarze Brot fingerdick mit gesalzener Butter schmieren und mit Käs belegen, damit es desto besser rutschte, und wenn ich so über einen Hammelskolben kam, der mit Knoblauch gespickt war und eine gute Kanne Bier daneben stahn hatte, so erquickte ich Leib und Seel und vergaß all meines ausgestandenen Leids.“

Das ‚Paradeis’, von dem Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen im „Simplicius Simplicissimus“ berichtet, war auch das meiner Kindheit. Denn es ist die Rede von Westfalen. Auch wenn meine Eltern mir Bier und Jungfrauen noch eine Weile vorenthielten und eine Hammelkeule so gut wie nicht vorkam, so hielten doch die anderen paradiesischen Zutaten wie Schwarzbrot, Butter, Schinken, Wurst und Rindfleisch mir Leib und Seele zusammen.

(c) Martin Elsbroek 2016

 

 

 

 

 

 Lesen Sie hier den Artikel der HNA vom 12.04.2017


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